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Bootstrapping: Die Kunst sich aus dem Sumpf zu ziehen

Beim letzten Creative Monday (on Wednesday) in Kiel ging es um unter anderem um das Thema „Bootstrapping“. Bei dem Thema war es wieder wie so oft: eigentlich ist einem vieles klar, aber man hat das Wissen nicht parat oder setzt es nicht konsequent um.

Was heißt Bootstrapping? – Das sagt Wikipedia dazu: „(von englisch bootstrap ‚Stiefelschlaufe‘). Nach der englischen Redewendung „pull oneself over a fence by one's bootstraps“ zieht man sich selbst an seinen Stiefelschlaufen über einen Zaun, wie Baron Münchhausen sich am eigenen Schopf aus einem Sumpf zog.“

Im übertragenen Sinne geht es also darum, sich selbst aus der eigenen Lage zu befreien oder sich zu verbessern, und zwar mit den Mitteln, die gerade da sind. Der eigene Schopf oder die Stiefelschlaufe.

Was ist meine Stiefelschlaufe?

Bei einer Existenzgründung, spricht man dann von Bootstrapping, wenn man mit möglichst wenig Mitteln und mit vorhandenen Ressourcen arbeitet, um seine Existenz aufzubauen. Dabei wird versucht, möglichst nur eigene finanzielle Mittel zu nutzen.

Oft hat Bootstrapping einen starken „Netzwerk Charakter“. Niemand kann alles selber. Um Investitionen zu umgehen, wird versucht im eigenen Netzwerk günstig an die Dinge zu kommen, die man benötigt. Dabei geht es nicht zwangsläufig um „geschenkte“ Leistungen. Oftmals lassen sich durch geschickte „Deals“ Win-Win-Situationen zwischen Bootstrapper und Helfendem erzielen. Ein Beispiel: Ein befreundeter Unternehmer liefert Arbeitsmaterialien am Anfang zu einem günstigeren Preis. Der Bootstrapper garantiert dafür dann eine gewisse Abnahme des Materials für ein Jahr.

Wertvolle Ressource: Die eigene Zeit

Der Wert der selbst investierten Zeit wird oft unterschätzt. Vieles kann man selber. Dazu ist es auch wichtig, seine Bedürfnisse zu hinterfragen aber auch seine Fähigkeiten präzise einzuschätzen. Ein Beispiel: Vielleicht benötige ich zu Anfang meiner Unternehmung gar keine Webseite. Es geht vielmehr darum, im Internet präsent zu sein. Für den Anfang geht das oft auch mit einer Facebook-Seite oder einem Blog. Die einzige Investition hier ist die eigene Zeit. Um eine ganze Webseite selber zu gestalten und zu programmieren, wäre hingegen viel Fachwissen erforderlich.

Nicht für jeden!

Ein sinnvolles Vorgehen ist das Bootstrapping immer dann, wenn der Gründer über wenige, eigene finanzielle Mittel verfügt und die Zeit kein relevanter Faktor ist. Oftmals werden Unternehmen zuerst nebenberuflich „gebootstrapped“ – also dann, wenn das eigene Auskommen mehr oder weniger gesichert ist.

Ein paar Faustregeln (nach Amar V. Bhide):

Diese sieben Grundsätze gelten nicht nur beim Bootstrapping:

  1. Die Gründer sollten so schnell wie möglich mit einem operativen Geschäft beginnen.
  2. Die Gründer sollen sich auf ein frühzeitiges Erreichen der Gewinnschwelle und eines positiven Cashflows fokussieren.
  3. Gründungsunternehmen mit Bootstrapping-Ansatz sollten höherwertige Produkte oder Services verkaufen, bei denen die Gründer sinnvoll die Vertriebsfunktionen wahrnehmen können.
  4. Die Gründer sollten nicht mit hochbezahlten Teammitgliedern ohne Verständnis für die Gründerkultur des jungen Unternehmens arbeiten.
  5. Die Gründer müssen beim Unternehmenswachstum entsprechend der nur begrenzt vorhandenen Ressourcen kontrolliert vorgehen.
  6. In der Gründungs- und Frühentwicklungsphase muss der Fokus des Bootstrap-Unternehmens auf dem Cash als laufend verfügbarer Liquidität liegen.
  7. Banken sollten gepflegt werden, auch wenn sie in der frühen Entwicklungsphase noch nicht als Kreditgeber zur Verfügung stehen.
19.06.2012
Wissenswert
 
 
 

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